Stand: Juli 2026. Funktionsumfänge und Preise der genannten Anbieter ändern sich regelmäßig, dieser Artikel wird entsprechend aktualisiert.
Wo klassische Zeiterfassungssysteme im Projektgeschäft an ihre Grenzen stoßen
Ein Zeiterfassungssystem beantwortet eine einzige Frage: Wer war wann wie lange anwesend? Für ein produzierendes Unternehmen mit Schichtplan reicht das. Für einen IT-Dienstleister, eine Beratung oder ein Ingenieurbüro reicht es nicht.
Entscheidend ist dort zusätzlich die Zuordnung von Zeit zu Projekten, Kunden und Leistungsarten. Genau an diesem Punkt scheitern viele Standardlösungen am Markt. Sie erfassen sauber, geben die Daten aber nicht in einer Form weiter, die für Controlling, Abrechnung oder Ressourcenplanung nutzbar ist.
Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich selten sofort, aber konsequent im laufenden Betrieb:
- Abrechenbare Stunden werden zu spät oder unvollständig erfasst und gehen der Fakturierung verloren
- Projektleiter erfahren erst am Monatsende, ob ein Projekt im Budget liegt
- Auslastung und Kapazitätsplanung basieren auf Schätzungen statt auf tatsächlichen Ist-Daten
- Folgeprojekte werden auf Basis unsauberer Aufwandshistorie kalkuliert
- Finance und Projektteams pflegen parallele Excel-Listen, die nie vollständig übereinstimmen
Für ein Unternehmen mit 30, 80 oder 150 Mitarbeitenden im Projektgeschäft summiert sich das zu einem echten Steuerungsproblem. Die Zeit ist erfasst, aber die Frage, die Geschäftsführung und Controlling eigentlich beschäftigt, bleibt offen: Welches Projekt verdient tatsächlich Geld, und wo verschiebt sich die Marge unbemerkt nach unten. Je später diese Frage beantwortet wird, desto teurer wird die Korrektur, weil Nachkalkulationen und Sonderauswertungen dann rückwirkend über mehrere Monate laufen müssen.
Ein typisches Muster in der Praxis: Ein Projektleiter meldet zum Monatsende, dass ein Projekt planmäßig läuft, weil die gebuchten Stunden im Rahmen liegen. Erst eine manuelle Sonderauswertung zeigt, dass ein Teil der Stunden falscher Leistungsart zugeordnet wurde und die tatsächliche Marge deutlich niedriger liegt als gemeldet. Bei einem einzelnen Projekt ist das ärgerlich. Bei zwanzig parallelen Projekten wird daraus ein strukturelles Risiko für die gesamte Ergebnisplanung, weil sich solche Abweichungen erst im Nachhinein und meist zu spät für eine Gegensteuerung zeigen.
Die Wahl eines Zeiterfassungssystems ist deshalb für Projektdienstleister keine reine IT-Entscheidung. Sie entscheidet mit darüber, ob Projektcontrolling, Ressourcenplanung und Forecasting auf verlässlichen Daten aufbauen können oder auf Annahmen.
Was ein Zeiterfassungssystem 2026 rechtlich und funktional leisten muss
Die gesetzliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung
Seit der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 (Az. 1 ABR 22/21) steht fest: Arbeitgeber in Deutschland sind verpflichtet, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit ihrer Mitarbeitenden zu erfassen. Grundlage ist § 3 Absatz 2 Nummer 1 des Arbeitsschutzgesetzes. Eine eigenständige gesetzliche Neuregelung im Arbeitszeitgesetz steht weiterhin aus, an der grundsätzlichen Erfassungspflicht ändert das nichts.
Für Unternehmen bedeutet das: Papierlisten, Excel-Tabellen ohne Kontrollmechanismus oder rein freiwillige Selbstaufschreibung genügen den Anforderungen an eine objektive, verlässliche und zugängliche Zeiterfassung in der Regel nicht mehr. Ein digitales System ist inzwischen der praktikable Standard, nicht die Ausnahme.
Der Unterschied zwischen Zeiterfassung und Projektzeiterfassung
Klassische Zeiterfassung beantwortet die arbeitsrechtliche Pflichtfrage. Projektzeiterfassung geht einen Schritt weiter und ordnet jede erfasste Stunde einem Projekt, einer Leistungsart und einer Abrechnungslogik zu, etwa Zeit und Material, Festpreis oder Retainer.
Für Projektdienstleister ist diese Unterscheidung entscheidend. Ein System, das nur die Anwesenheit dokumentiert, liefert Compliance. Ein System, das Projektzeiterfassung beherrscht, liefert zusätzlich die Grundlage für Projektcontrolling, Kapazitätsplanung und eine belastbare Abrechnung gegenüber Kunden. Bei der Auswahl eines Zeiterfassungssystems sollte diese Frage vor der Preisfrage stehen: Wird hier nur dokumentiert, oder wird die erfasste Zeit tatsächlich wirtschaftlich nutzbar gemacht.
Funktionale Mindestanforderungen für den Projektalltag
Über die reine Compliance hinaus haben sich für projektbasierte Unternehmen einige Funktionen als praktischer Mindeststandard etabliert:
- Mobile Erfassung für Mitarbeitende im Kundeneinsatz oder auf wechselnden Baustellen und Standorten
- Zuordnung von Zeiten zu Projektphasen, Milestones oder Change Requests, nicht nur zu einem einzelnen Projektnamen
- Schnittstellen zu Lohnbuchhaltung, ERP oder Rechnungsstellung, um Medienbrüche beim Übertrag der Daten zu vermeiden
- Rollen- und Rechtekonzept, damit Projektleiter nur ihre eigenen Projekte einsehen, Finance aber die Gesamtsicht behält
- Auswertbarkeit in Echtzeit statt Monatsabschluss-Reports, die erst rückblickend Abweichungen zeigen
Ein System, das diese Punkte nicht abdeckt, funktioniert im Tagesgeschäft, erzeugt aber an anderer Stelle wieder manuellen Aufwand, meist bei der Person, die am Ende die Zahlen für Geschäftsführung oder Kunden zusammenführen muss.
Serverstandort, DSGVO und ISO 27001
Neben der reinen Erfassungspflicht rückt bei der Systemauswahl zunehmend eine zweite Frage in den Vordergrund: Wo werden die Daten verarbeitet, und nach welchen Standards. Für Unternehmen mit Kunden aus regulierten Branchen oder mit eigenen Compliance-Vorgaben ist der Serverstandort häufig ein Ausschlusskriterium, nicht nur ein Zusatzargument.
- Serverstandort Deutschland reduziert den Abstimmungsaufwand mit Datenschutzbeauftragten und vereinfacht die Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO
- ZEP entwickelt und hostet ausschließlich in Deutschland, Entwicklung und Betrieb liegen in einer Hand
- ZEP ist nach ISO 27001 zertifiziert und dokumentiert damit ein geprüftes Informationssicherheits-Managementsystem
- DSGVO-Konformität betrifft nicht nur die Serverwahl, sondern auch Auftragsverarbeitungsverträge, Löschkonzepte und Rollen- und Rechtekonzepte innerhalb des Systems
Bei internationalen Anbietern lohnt sich vor der Entscheidung ein Blick in die aktuellen Angaben zu Serverstandort und Zertifizierungen, da sich diese ändern können und nicht bei jedem der hier verglichenen Systeme öffentlich einheitlich dokumentiert sind.
Zeiterfassungssysteme 2026 im Vergleich: 7 Tools im Test
Nach diesen Kriterien haben wir bewertet
Für den Vergleich wurden sieben am DACH-Markt etablierte Zeiterfassungssysteme anhand von fünf Kriterien geprüft, die für projektbasierte Unternehmen mit 20 bis 250 Mitarbeitenden relevant sind. Die Auswahl der sieben Systeme deckt die gängigsten Kategorien ab, die in Vergleichsprozessen von IT-Consultings, Beratungen und Ingenieurbüros in der Praxis gegeneinander abgewogen werden, von reinen Zeiterfassungstools über HR-Suiten bis zu Projektmanagement-Software mit Zeiterfassungsmodul. Wichtig für die Einordnung: Die verglichenen Produktstufen sind nicht immer direkt vergleichbar, da Anbieter wie ZEP mit Clock, Compact und Professional mehrere Preisstufen mit unterschiedlichem Funktionsumfang anbieten, während andere Anbieter ihren Funktionsumfang in einem einzigen Paket oder in abweichend geschnittenen Tarifen bündeln.
- Preis pro User: Einstiegspreis der jeweils funktional vergleichbaren Produktstufe
- Projektzeiterfassung: Können Zeiten direkt Projekten, Aufgaben und Leistungsarten zugeordnet werden
- Ressourcenplanung: Ist Kapazitäts- und Auslastungsplanung nativ integriert
- Reisekostenabrechnung: Ist die Abwicklung von Reisekosten Teil des Systems
- Modulare Erweiterung: Lässt sich der Funktionsumfang schrittweise um zusätzliche Module ergänzen, ohne das System zu wechseln
Bewertungsmatrix: 7 Zeiterfassungssysteme im Überblick
Bewertung basiert auf öffentlich verfügbaren Funktionsbeschreibungen der Anbieter, Stand Juli 2026. Funktionsumfänge ändern sich, eine Prüfung der aktuellen Anbieterangaben vor Kaufentscheidung wird empfohlen.
Die 7 Systeme im Kurzprofil
ZEP
Das Tool ist als modulare Plattform aufgebaut. Der Einstieg über ZEP Clock deckt Arbeitszeit-, Abwesenheits- und Reisekostenerfassung DACH-konform ab, inklusive Personalstammdaten und Mehrmandantenfähigkeit. Wer zusätzlich Aufgabenmanagement, Ressourcen und Budgets steuern will, wechselt in ZEP Compact und erhält Projektmanagement, Dokumentenmanagement und Projektcontrolling auf derselben Datengrundlage. Wer Angebote, Rechnungsstellung und Forecasting auf dieser Basis abbilden möchte, nutzt ZEP Professional. Für Unternehmen, die absehbar über reine Zeiterfassung hinauswachsen, ist das relevant, weil kein Systemwechsel und keine erneute Datenmigration nötig werden.
awork Business
Die Software bündelt Aufgabenplanung, Projektmanagement und Zeiterfassung in einer Plattform und eignet sich für Teams, die eine Lösung für Planung und Erfassung aus einer Hand suchen. Reisekostenabrechnung und Ressourcenplanung sind enthalten, eine integrierte Rechnungsstellung sowie eine modulare Erweiterung des Funktionsumfangs fehlen jedoch, sodass Angebots- und Abrechnungsprozesse über externe Tools abgewickelt werden müssen.
Clockodo Pro
Vielseitige Software zur Projektzeiterfassung mit Echtzeitübersicht über geleistete Stunden und projektbezogener Zeiterfassung. Reisekostenabrechnung, Ressourcenplanung und eine modulare Erweiterung des Funktionsumfangs sind nicht enthalten, Single-Sign-On ist nur gegen Aufpreis verfügbar.
factorial
Das Tool ist in erster Linie eine HR-Suite mit Fokus auf Personalprozesse wie Gehaltsabrechnung, Bewerbermanagement und Leistungsbewertungen. Projektzeiterfassung und Reisekostenabrechnung sind enthalten, eine dedizierte Kundenverwaltung und Ressourcenplanung fehlen, da der Produktfokus auf HR statt auf Projektsteuerung liegt.
TimeTac Essential
Cloudbasierte Zeiterfassungssoftware für mittlere und große Unternehmen mit Fokus auf Arbeitszeit-, Urlaubs- und Abwesenheitserfassung. Projektzeiterfassung, Kundenverwaltung, Reisekostenabrechnung und Ressourcenplanung sind im direkten Herstellervergleich nicht Bestandteil des Funktionsumfangs, eine Urlaubsverwaltung ist ohne Genehmigungsprozess enthalten.
timr Plus
Das Tool hebt sich durch ein integriertes Fahrtenbuch für mobile Nutzer ab und richtet sich an Teams mit hohem Außendienstanteil. Reisekostenabrechnung, Ressourcenplanung und eine modulare Erweiterung fehlen, zum Preis pro User kommt zusätzlich ein monatlicher Basispreis von 29€ hinzu.
Toggl Track Starter
Die Software liefert automatisierte Auswertungen zu Aufwänden und Profitabilität und richtet sich vor allem an Freiberufler und kleinere Teams. Urlaubsverwaltung, Reisekostenabrechnung, Ressourcenplanung und persönlicher Support per Telefon fehlen, die Oberfläche ist ausschließlich auf Englisch verfügbar.
Modulare Zeiterfassungssysteme: Erweiterung nach Bedarf
Ein wiederkehrendes Kriterium in der Bewertungsmatrix ist die modulare Erweiterbarkeit: Kann der Funktionsumfang schrittweise wachsen, ohne dass ein neues System eingeführt werden muss.
Bei ZEP zeigt sich dieses Prinzip am deutlichsten. Der Einstieg erfolgt über ZEP Clock für Arbeitszeit-, Abwesenheits- und Reisekostenerfassung. Wird zusätzlicher Bedarf an Aufgaben-, Ressourcen- und Budgetsteuerung sichtbar, kommen mit ZEP Compact Module für Ressourcenplanung und Belegmanagement hinzu. Für Angebots- und Abrechnungsprozesse ergänzt ZEP Professional Module für Angebotserstellung und Rechnungsstellung. Alle Module arbeiten auf derselben Datengrundlage, ein Systemwechsel oder eine erneute Datenmigration entfällt.
Im Vergleich zeigt sich, dass modulare Erweiterbarkeit unter den sieben Systemen die Ausnahme ist: Neben ZEP bietet nur factorial eine schrittweise Erweiterung an, allerdings mit Fokus auf HR-Module wie Gehaltsabrechnung statt auf Projektsteuerung. awork, Clockodo, TimeTac, timr und Toggl Track liefern ihren Funktionsumfang jeweils als festes Paket, Erweiterungen sind laut Herstellerangaben nicht vorgesehen.
Auswertungen und Berichte im Vergleich
Wie detailliert sich Projektzeiten auswerten lassen, unterscheidet sich zwischen den sieben Systemen deutlich. ZEP liefert projektbezogene Auswertungen bis auf Ebene einzelner Leistungsarten und Kostenstellen und macht diese für Projektcontrolling direkt nutzbar. Clockodo und Toggl Track bieten Echtzeitübersichten über geleistete Stunden, ohne diese direkt mit Budgets oder Leistungsarten zu verknüpfen. awork Business verknüpft Auswertungen mit der integrierten Aufgabenplanung. factorial und TimeTac fokussieren ihre Reports primär auf HR-Kennzahlen wie Abwesenheiten statt auf Projektwirtschaftlichkeit. timr liefert detaillierte Fahrtenbuch-Auswertungen, aber keine projektbezogene Budgetsicht.
Für Unternehmen, die Auswertungen nicht nur zur Dokumentation, sondern zur aktiven Projektsteuerung benötigen, ist entscheidend, ob Reports Ist-Werte direkt gegen geplante Budgets stellen, oder ob dieser Abgleich manuell in Excel nachgebaut werden muss.
Die Gesamtbetrachtung zeigt ein wiederkehrendes Muster: Reine Zeiterfassungstools decken die Compliance-Pflicht zuverlässig ab, liefern aber kaum Ressourcenplanung oder Anschluss an Angebots- und Rechnungsprozesse. HR-Suiten behandeln Zeiterfassung als eines von vielen Modulen. PM-Tools bringen Aufgabensteuerung und Ressourcenplanung mit, aber keine native Rechnungsstellung.
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Für die Praxis bedeutet das: Wer heute ausschließlich die gesetzliche Erfassungspflicht lösen will, findet unter den o.g. Wettbewerbssystemen mehrere solide Optionen zu unterschiedlichen Preispunkten. Wer absehbar Ressourcenplanung, Reisekostenabrechnung oder eine Anbindung an Angebots- und Rechnungsprozesse benötigt, sollte diesen Bedarf bereits bei der ersten Systemauswahl mitdenken, statt ihn erst zu adressieren, wenn Excel-Auswertungen im Alltag bereits zur Regel geworden sind.
Zeiterfassungssysteme für den Mittelstand: 50–200 Mitarbeiter
Für Unternehmen mit 50 bis 200 Mitarbeitenden eignen sich Zeiterfassungssysteme am besten, die Projektzuordnung, Rollen- und Rechtekonzepte sowie Mehrstandortfähigkeit bereits im Kernprodukt mitbringen, weil in dieser Größenordnung Excel-Nachbearbeitung und manuelle Rechtevergabe beginnen, spürbar Zeit zu kosten.
Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Unternehmensgröße deutlich, auch wenn dieselbe Softwarekategorie gemeint ist:
Bis 50 Mitarbeitende
In dieser Größenordnung reicht häufig ein Einstiegsprodukt wie ZEP Clock, Clockodo Pro oder TimeTac Essential. Rollen- und Rechtekonzepte sind meist flach, ein bis zwei Personen pflegen Stammdaten und Freigaben, Mehrstandortfähigkeit spielt selten eine Rolle.
50 bis 200 Mitarbeitende
Ab dieser Größe steigt die Zahl paralleler Projekte, Teams und Standorte spürbar. Ein differenziertes Rollen- und Rechtekonzept wird notwendig, damit Projektleiter nur ihre eigenen Projekte sehen, während Finance und Geschäftsführung die Gesamtsicht behalten. Preislich zeigt sich hier auch der größte Sprung zwischen den verglichenen Systemen: Der Wechsel von einem reinen Zeiterfassungstool zu einer Lösung mit Ressourcenplanung wie ZEP Compact (ab 7€) oder awork Business (18€) macht sich bei 100 oder mehr Nutzern deutlich in der Gesamtkalkulation bemerkbar, rechnet sich aber häufig durch den Wegfall paralleler Excel-Auswertungen.
Über 200 Mitarbeitende
Bei mehr als 200 Mitarbeitenden wird die Anbindung an ERP, Lohnbuchhaltung und ein mandantenfähiges Rechtekonzept mit mehreren Freigabeebenen zum entscheidenden Kriterium. Systeme, die nur auf Einzelprojektebene denken, stoßen hier an ihre Grenzen, unabhängig vom Preis pro User.
Für die konkrete Auswahl im Korridor 50 bis 200 Mitarbeitende sind aus der Bewertungsmatrix vor allem die Systeme relevant, die Rollen- und Rechtekonzepte und Ressourcenplanung nativ mitbringen, siehe Kurzprofile oben.
Wann ein Zeiterfassungssystem allein nicht mehr ausreicht
Die Entscheidung für ein Zeiterfassungssystem wird mit dem Wachstum eines Unternehmens mehrfach neu gestellt. Typische Auslöser dafür, dass ein reines Zeiterfassungstool an seine Grenzen stößt:
- Die Zahl paralleler Kundenprojekte steigt, und Auslastung wird nicht mehr überschaubar
- Projektleiter benötigen Soll-Ist-Vergleiche, die das aktuelle Tool nicht liefert
- Kunden fordern nachvollziehbare Leistungsnachweise für Time-and-Material-Abrechnung
- Finance und Projektteams pflegen zunehmend parallele Excel-Auswertungen zur Nachbearbeitung der Rohdaten
- Geschäftsführung will wissen, welche Projekte tatsächlich profitabel sind, nicht nur, wie viele Stunden gebucht wurden
An diesem Punkt wird aus einer Zeiterfassungsfrage eine Frage nach Projektcontrolling und Ressourcenplanung. Für IT-Consultings mit Work Packages und Change Requests, für Beratungen mit Utilization- und Bench-Steuerung und für Ingenieurbüros mit meilensteinbasierten Projekten über mehrere Monate ist dieser Übergang der Regelfall, meist bereits innerhalb weniger Jahre nach Einführung des ersten Systems.
Ein Wechsel des kompletten Systems in dieser Wachstumsphase ist aufwendig und riskant, weil historische Zeit- und Projektdaten mitgenommen werden müssen. Genau deshalb lohnt sich bei der ursprünglichen Auswahl der Blick darauf, ob ein System modular mitwachsen kann, oder ob absehbar ein zweiter Systemwechsel ansteht.
Was das für IT-Consulting, Management Consulting und Engineering konkret bedeutet
IT-Consulting: Work Packages, Change Requests und Hypercare-Phasen erzeugen Abrechnungslogiken, die reine Stundenzähler nicht abbilden. Sobald Mischmodelle aus Time and Material, Festpreis und Change-Request-Abrechnung parallel laufen, wird eine Zuordnung von Zeit zu Vertragsbestandteilen notwendig, die über eine einfache Projektbezeichnung hinausgeht.
Management Consulting: Utilization, Bench-Zeiten und Projektmarge sind die zentralen Steuerungsgrößen. Ein System, das nur Anwesenheit erfasst, liefert weder eine belastbare Auslastungsquote noch eine Grundlage, um Beratertage sauber gegen Mandate abzurechnen, inklusive Reisezeiten, die in vielen Mandaten einen erheblichen Anteil ausmachen.
Engineering: Meilensteinbasierte Projekte über mehrere Monate mit vielen Gewerken und hohen Dokumentationsanforderungen benötigen eine Zeiterfassung, die sich mit der Projektstruktur mitentwickelt. Wenn Stunden nicht sauber einzelnen Leistungsphasen zugeordnet werden, wird die Nachkalkulation am Projektende zur Fehlersuche in mehreren parallelen Excel-Dateien.
In allen drei Fällen ist der eigentliche Auslöser für einen Umstieg selten der Wunsch nach einem neuen Tool an sich. Es ist die konkrete Situation, in der Geschäftsführung, Controlling oder ein Kunde eine Zahl verlangt, die das aktuelle System nicht zuverlässig liefern kann.
Fazit: So finden Sie das passende System für Ihr Projektgeschäft
Prüfen Sie bei der Systemauswahl zuerst den Zeithorizont, nicht nur den aktuellen Bedarf. Ein System, das heute nur Stunden erfasst, aber in zwei Jahren durch ein zweites Tool für Controlling und Abrechnung ergänzt werden muss, erzeugt doppelte Einführungskosten und einen erneuten Datenmigrationsaufwand.
Die Bewertungsmatrix zeigt dabei ein klares Muster: Je spezialisierter ein Tool auf reine Zeiterfassung oder eine einzelne Zielgruppe wie Freiberufler oder HR-Prozesse ausgelegt ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es die Ressourcenplanung und kaufmännische Anschlussfähigkeit mitbringt, die projektbasierte Dienstleister mittelfristig benötigen. Umgekehrt gilt: Eine Plattform, die von der reinen Erfassung bis zur Abrechnung durchdacht ist, verhindert genau den Bruch, an dem heute in vielen Unternehmen Excel-Tabellen als Nothilfe zwischen zwei Systemen entstehen.
Konkrete Schritte für die Entscheidung:
- Klären Sie, ob reine Compliance-Erfassung ausreicht oder ob Projektzeiten für Controlling und Abrechnung nutzbar sein müssen
- Prüfen Sie, ob das System DACH-rechtliche Anforderungen ohne manuelle Nacharbeit abdeckt
- Bewerten Sie, ob Ressourcenplanung und Projektcontrolling nativ integriert sind oder über Excel nachgebaut werden müssen
- Fragen Sie aktiv nach dem Wachstumspfad des Anbieters: Was passiert, wenn Ihr Unternehmen von 30 auf 100 Mitarbeitende wächst
- Testen Sie das System anhand eines realen, laufenden Projekts, nicht nur mit generischen Demodaten des Anbieters
Unternehmen, die heute mit reiner Zeiterfassung starten und absehbar Projektcontrolling, Ressourcenplanung oder eine vollständige Professional Services Automation benötigen, sparen sich mit einer modular wachsenden Plattform einen zweiten Systemwechsel.
FAQ
Welches Zeiterfassungssystem eignet sich für Projektdienstleister mit mehreren parallelen Kundenprojekten?
Entscheidend ist, ob das System Zeiten direkt Projekten und Leistungsarten zuordnet und diese Daten für Controlling nutzbar macht. Reine Anwesenheitstools wie TimeTac sind primär auf Arbeitszeit ausgelegt. Systeme wie ZEP, Clockodo oder awork bieten Projektzuordnung, unterscheiden sich aber stark in Ressourcenplanung und Anbindung an Abrechnungsprozesse.
Reicht eine Excel-Tabelle zur Erfassung der Arbeitszeit noch aus?
Rechtlich ist eine Excel-Erfassung nicht grundsätzlich ausgeschlossen, in der Praxis erfüllt sie die Anforderungen an eine objektive und verlässliche Zeiterfassung nach dem BAG-Urteil von 2022 aber häufig nicht ohne zusätzliche Kontrollmechanismen. Für Projektdienstleister kommt hinzu, dass Excel keine belastbare Grundlage für Projektcontrolling oder Abrechnung liefert.
Welches Zeiterfassungssystem eignet sich für Unternehmen mit 50 bis 200 Mitarbeitern?
Für Unternehmen mit 50 bis 200 Mitarbeitenden eignen sich vor allem Systeme mit differenziertem Rollen- und Rechtekonzept sowie nativer Ressourcenplanung, etwa ZEP Compact ab 7€ oder awork Business ab 18€ pro User. Reine Einstiegstools wie TimeTac Essential (ab 3,60€) oder Clockodo Pro (10€) decken die Erfassungspflicht ab, stoßen aber bei mehreren parallelen Projekten und differenzierten Freigabeprozessen an ihre Grenzen. Aktuelle Preismodelle sollten direkt bei den Anbietern angefragt werden, da sich Staffelungen regelmäßig ändern.
Was unterscheidet Zeiterfassung von Projektzeiterfassung?
Zeiterfassung dokumentiert Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit zur Erfüllung der gesetzlichen Pflicht. Projektzeiterfassung ordnet diese Zeit zusätzlich Projekten, Aufgaben und Abrechnungsarten zu und macht sie damit für Controlling, Kapazitätsplanung und Fakturierung nutzbar.
Welche Zeiterfassungssysteme bieten integrierte Ressourcenplanung?
Unter den verglichenen Systemen bieten ZEP ab der Compact-Stufe und awork Business integrierte Ressourcenplanung. Reine Zeiterfassungstools wie Clockodo, TimeTac oder Toggl Track sowie die HR-Suite factorial decken diese Funktion laut Herstellerangaben nicht ab.
Wie lange dauert die Einführung eines Zeiterfassungssystems in einem mittelständischen Projektunternehmen?
Die Einführungsdauer hängt von der Komplexität der Projektstrukturen und der Anzahl anzubindender Schnittstellen ab. Reine Zeiterfassungstools lassen sich oft innerhalb weniger Tage produktiv setzen, während Systeme mit Projektcontrolling und Ressourcenplanung eine strukturierte Einführungsphase mit Stammdatenaufbau benötigen.




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